Minimale Eingriffe. Langlebige Räume.
Umbau eines denkmalgeschützten waldlerhauses
Am Waldrand steht ein Waldlerhaus aus dem 18. Jahrhundert – ein leiser, kraftvoller Bau, dessen Alltag einst Wohnen und Arbeiten selbstverständlich unter einem Dach bündelte. Der denkmalgeschützte Vorderbau beherbergte Schlafkammern, Esszimmer und Dachboden; die Küche war zweigeteilt: zur Stallseite hin der Schlachtbereich, näher am Esszimmer die Kochstelle. Diese räumliche Logik erzählt von Nähe, von Wegen, von Gerüchen und Temperaturen – und davon, wie präzise sich Architektur früher an Nutzung und Material verankerte.
Heute wird der Vorderbau behutsam saniert und zu einem zeitgemäßen Zweifamilienhaus weiterentwickelt. Unsere Haltung: nicht „überformen", sondern lesen, verstehen und fortschreiben. Die Sanierung nimmt die vernakuläre Bauweise ernst – sie stammt aus einer Zeit, in der Materialkenntnis und natürliche Baustoffe nicht optional, sondern notwendig waren. In den Schichten des Bestands liegt ein Bauwissen, das im Entwurfsprozess wieder erfahrbar wird: Holz, das atmet; Lehm, der Feuchtigkeit puffert; Schilfrohr als Putzträger. Im Innenraum zeigt sich dieses Prinzip an der historischen Haftungsebene: kleine Holzstücke (Staken), benagelt als Träger für Lehm, der das Holz vor Durchfeuchtung schützt und zugleich einen geeigneten Untergrund für den Putzaufbau schafft – eine robuste, kapillaraktive Alternative zu heutigen Verbundkonstruktionen.
Tragfähige Bausubstanz wird durch rekonstruktive Maßnahmen gesichert und repariert. Sensible Eingriffe schaffen neue räumliche Qualitäten – mehr Licht, bessere Erschließung, zeitgemäße Wohnlichkeit – ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Das Neue ist nicht lauter als das Alte, sondern im Einklang.
Im Zuge der Projektentwicklung zeigte sich: Die Substanz des Stallanbaus ist nicht mehr tragfähig; das Mauerwerk zerbröselt bereits bei geringer Berührung. Dieser Teil wird als zweiter Bauabschnitt neu gedacht: ein Anbau, der das massive Holzblockhaus zum verwilderten Grün hin öffnet – mit leichter, durchlässiger Konstruktion und direktem Bezug zum Außenraum. So entsteht aus dem Ensemble ein erweiterter Wohnraum: mit der Vergangenheit in die Zukunft – nicht als Kulisse, sondern als gelebte Kontinuität.