studiofreunde

Minimale Eingriffe. Langlebige Räume.

Studio Team
Meret, Natalia, Dora (von links nach rechts)

MAIGN Work in Progress

Umbau eines denkmalgeschützten waldlerhauses

Elevation

Am Waldrand steht ein Waldlerhaus aus dem 18. Jahrhundert – ein leiser, kraftvoller Bau, dessen Alltag einst Wohnen und Arbeiten selbstverständlich unter einem Dach bündelte. Der denkmalgeschützte Vorderbau beherbergte Schlafkammern, Esszimmer und Dachboden; die Küche war zweigeteilt: zur Stallseite hin der Schlachtbereich, näher am Esszimmer die Kochstelle. Diese räumliche Logik erzählt von Nähe, von Wegen, von Gerüchen und Temperaturen – und davon, wie präzise sich Architektur früher an Nutzung und Material verankerte.

Section Barn Structure Interior View

Heute wird der Vorderbau behutsam saniert und zu einem zeitgemäßen Zweifamilienhaus weiterentwickelt. Unsere Haltung: nicht „überformen", sondern lesen, verstehen und fortschreiben. Die Sanierung nimmt die vernakuläre Bauweise ernst – sie stammt aus einer Zeit, in der Materialkenntnis und natürliche Baustoffe nicht optional, sondern notwendig waren. In den Schichten des Bestands liegt ein Bauwissen, das im Entwurfsprozess wieder erfahrbar wird: Holz, das atmet; Lehm, der Feuchtigkeit puffert; Schilfrohr als Putzträger. Im Innenraum zeigt sich dieses Prinzip an der historischen Haftungsebene: kleine Holzstücke (Staken), benagelt als Träger für Lehm, der das Holz vor Durchfeuchtung schützt und zugleich einen geeigneten Untergrund für den Putzaufbau schafft – eine robuste, kapillaraktive Alternative zu heutigen Verbundkonstruktionen.

Exterior View
Site Plan
Floor Plan

Tragfähige Bausubstanz wird durch rekonstruktive Maßnahmen gesichert und repariert. Sensible Eingriffe schaffen neue räumliche Qualitäten – mehr Licht, bessere Erschließung, zeitgemäße Wohnlichkeit – ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Das Neue ist nicht lauter als das Alte, sondern im Einklang.

Im Zuge der Projektentwicklung zeigte sich: Die Substanz des Stallanbaus ist nicht mehr tragfähig; das Mauerwerk zerbröselt bereits bei geringer Berührung. Dieser Teil wird als zweiter Bauabschnitt neu gedacht: ein Anbau, der das massive Holzblockhaus zum verwilderten Grün hin öffnet – mit leichter, durchlässiger Konstruktion und direktem Bezug zum Außenraum. So entsteht aus dem Ensemble ein erweiterter Wohnraum: mit der Vergangenheit in die Zukunft – nicht als Kulisse, sondern als gelebte Kontinuität.